Gesangs- und Musikverein, Kautzen

Alle Bilder zur Vereinsgeschichte „140 Jahre Hilaria Kautzen“ gibt es HIER

140 Jahre Hilaria Kautzen
1872 – 2016

Mit seinen 140 Jahren zählt der Musik- und Gesangverein „HILARIA“ Kautzen zu den ältesten Vereinen des Waldviertler Sängerkreises. 1872 gegründet, trat die Hilaria bereits 1881, ein Jahr nach der Gründung des Waldviertler Sängergaues,  diesem ersten Gauverband auf österreichischem Boden bei. Leider sind viele Schriftstücke im Jahre 1945 verloren gegangen. Aus einem Entwurf für eine Chronik um das Jahr 1900 lassen sich aber doch einige markante Punkte der Geschichte des Vereines ableiten.

Im Schloss Illmau, dem damaligen „Bräuhaus“, ist die Wiege der Hilaria zu suchen. Dass in damaligen Gasthäusern an den meisten Sonntagen des Winters auch musiziert und gesungen wurde, war eine Selbstverständlichkeit, so auch im Illmauer Bräuhaus.
Der eigentliche Mentor war der sehr sangeslustige Kooperator Johann Zeman, der später auch das Amt des Kassiers und Schriftführers übernahm. Erster Chormeister war Oberlehrer Johann Rauch, Vorstand Pfarrer Dr. Johann Steger (Bild 2). Von ihm stammt auch der Name des Vereines Hilaria.

Eine der ersten großen Darbietungen des Vereines war die in der Obermühle abgehaltene Sommerliedertafel.

Im Chronikentwurf liest man: … Bei der in der damaligen Gasthausgartenanlage Obermühle abgehaltene Sommerliedertafel beehrte uns die in Dobersberg weilende Gräfin Szapary, eine Tochter des Grafen Grünne, mit ihrem Besuche. Sie war von der liebenswürdigen, cavaliermäßigen Gesellschaftsleistung des Vereinspräses Herrn Dr. Steger so entzückt, dass sie am nächsten Tag beim Pfarrhof in Kautzen vorbeifuhr, um sich für die überaus amüsante Unterhaltung bei Herrn Dr. Steger zu bedanken ….

Bereits 1874 starb Pfarrer Dr.Steger und es musste eine neue Vereinsleitung gewählt werden mit Vorstand Anton Gaugusch und Chrordirektor Leopold Bauer an der Spitze.

Aus der feuchtfröhlichen Sängerrunde entwickelte sich bald ein sehr rühriger Männergesangverein, der regen Kontakt mit den Gesangvereinen der Umgebung auch über die Landesgrenze nach Mähren pflegte.

Der erste Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war das im Jahre 1895 im Rosental ausgerichtete Gaufest,  verbunden mit der Fahnenweihe. (Bild 3) Der Einladung waren 15 Vereine nachgekommen.

Die Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg war die Blütezeit des Vereines. (Bild 4) Zwei hervorragende Musikerfamilien prägten diese Epoche. Das waren einerseits die Lehrerfamilie Höpp (Bild 5) und andererseits die Gastwirtfamilie Fraisl aus Illmau. (Bild 6) In beiden Familien lebten so viele gute Musiker, dass diese beinahe allein ein Salonorchester aufstellen hätten können.

Durch den ersten Weltkrieg wurde zwar die Vereinstätigkeit der Hilaria beeinträchtigt, kam aber nach dem Krieg wieder rasch zu neuer Blüte, sodass in der Folgezeit bedeutende Werke aufgeführt wurden.

Im Jahre 1919 wurde dem Männergesangsverein ein gemischter Chor und später auch ein Frauenchor angeschlossen, sodass fortan an vier Abenden!!! pro Woche ein regelmäßiger Probenbetrieb stattfand (Männerchor, gemischter Chor, Frauenchor, Orchester).
(Bild.7, Bild 8)

Anlässlich des 60-jährigen Gründungsfestes fand 1932 zum 2.Mal in Kautzen das Gaufest des Waldviertler Sängerkreises statt. Anfangs der 1930-er Jahre fungierte der VS Dir. Johann Rauch als Chormeister (Bild 9). Nach ihm übernahm Thomas Fraisl die musikalische Leitung der Hilaria. Unter seiner Stabführung wurden einige bedeutende Singspiele aufgeführt. Den Kirchenchor leitete ab 1935 Hauptschullehrer Hermann Fischer. (Bild 10)

In den letzten Jahren vor 1938 wurde der Verein von Hauptschullehrer Urban Gundolf geführt. Zusehends machte sich der Nationalsozialismus bemerkbar. Statt traditioneller Chormusik sollten nun einstimmige Scharlieder, wie „Volk ans Gewehr u.s.w. gesungen werden. In dieser Lage stellte der Verein seine Tätigkeit von selbst ein. Aufrechterhalten wurde von der geistlichen Schwester Serafine Zahrl der Organisten- und Regens Chori- Dienst. (Bild 11Bild 12, Bild 13).

1945 übernahm der aus Schamers bei Neubistritz stammende und aus der Tschechoslowakei vertriebene Anton Wohak (Bild 14, Bild 15) dieses Amt und führte den Kirchenchor zu glanzvollen Aufführungen. 1948 ging die Leitung des Kirchenchores und der Organistendienst  wieder an Hauptschullehrer Hermann Fischer über.

Zwar gab es seit 1946 die Hilaria wieder und sie beteiligte sich auch an Sängerfesten Bild 16,  aber zu regelmäßiger Tätigkeit aktivierte den Verein erst wieder Hermann Fischer  im Jahre 1956. (Bild 17, Bild 18, Bild 19, Bild 20, Bild 21)  Höhepunkte seiner Tätigkeit waren die „Bunten Abende“, die gemeinsam mit dem Verschönerungsverein veranstaltet wurden. Als sehr gut ausgebildeter Sänger und Musiker verfügte er über eine hohe fachliche Autorität.

Ein Seitenblick zum Kirchenchor und zur Blasmusik Kautzen. Noch in den 1950er-Jahren legte Hermann Fischer die Funktion des Regens Chori zurück. Herr Hauptschullehrer Emmerich Stellner (Bild 22) versah dann einige Zeit lang bis zum Jahre 1958 den Organistendienst, den im gleichen Jahr Margarethe Kern  übernahm.
1962 bis 1965 war Josef Redlingshofer Kaplan in Kautzen und er leitete den Kirchenchor. Unter seinem Wirken, selbst ein ausgezeichneter Sänger, kamen schöne und schwierige Messen zur Aufführung, wie z.B. Haydns „Mariazellermesse“. (Bild 23).

Die Blasmusik von Kautzen nahm eine eigene Entwicklung. Im Jahre 1900 von Paul Wögerer gegründet, wurde sie von den Kapellmeistern Thomas Fraisl und Franz Fraisl (Bild 24) weitergeführt. Seit mehreren Jahrzehnten leitet sie nun Rudolf Winkelbauer (Bild 25, Bild 26). Ihre musikalischen Einsatzbereiche bestehen vorwiegend in der musikalischen Begleitung von Kirchenfesten, Begräbnissen, öffentlichen Veranstaltungen und in früherer Zeit war es auch das beliebte „von Haus zu Haus spielen“ und die Ausrichtung von Tanzveranstaltungen an den Kirtagen.

Ab 1966 leitete Hauptschullehrer Karl Wanko (Bild 27) sowohl die Hilaria als auch den Kirchenchor. Mit ihm begann ein Höhenflug des musikalischen Lebens in Kautzen.

Er machte es sich zur Aufgabe, altes Chorgut nicht verloren gehen zu lassen und neues hinzuzufügen. Vor allem knüpfte er Kontakte mit den Nachbarvereinen, um gemeinsame Liederabende zu arrangieren und die Hilaria auch vor fremdem Publikum auftreten zu lassen.

Aufgrund seiner hohen Musikalität führte er den Chor zu wahren Spitzenleistungen. Ebenso führte er auch die alle zwei Jahre stattfindenden Weihnachtssingen ein, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen. (Bild 28, Bild 29, Bild 30) Um den Chornachwuchs zu sichern,  gründete er 1971 einen Jugendchor, den er musikalisch so gut ausstattete, dass er am NÖ. Landesjugendsingen einen schönen Erfolg erzielen konnte. (Bild 31, Bild 32)
Zum Wirkungskreis der Hilaria zählte  ebenso die musikalische Umrahmung verschiedenster öffentlicher Veranstaltungen, wie die von Vereinsfesten, Segnungen, Gedenksteinenthüllungen… (Bild 33, Bild 34)

Ein Höhepunkt in seiner Ära war die Ausrichtung des Jubiläumskonzertes am 17. Juni 1972 und des 3. Grenzlandsingens des Waldviertler Sängerkreises, verbunden mit den Feiern:  „100 Jahre Hilaria Kautzen“. (Bild 35,Bild 36, Bild 37, Bild 38)

Die Musikerfamilie Wanko stellte auch nach dem Kriege bis zum Jahre 1975 mit Johann Wanko einen verdienstvollen Vorstand des Vereines. (Bild 39) Aus dessen Händen übernahm 1975 der Hauptschullehrer Eduard Danziger die Vereinsführung und im Jahre 1989 auch den Chorleiter der Hilaria.(Bild 40)

Nach Abgang des großartigen Musikers Karl Wanko, war der Kirchenchor einige  Jahre hindurch ohne direkt bestellten Chorleiter, sodass wechselweise OSR Franz Fraißl, Eduard Danzinger und Mag. Engelbert Pöcksteiner den Chor leiteten. Seit einer Reihe von Jahren ist  Mag. Engelbert Pöcksteiner nun ständiger Leiter des Kirchenchores (Bild 41). Ihm zur Seite steht die Organistin Margarete Kern, die durch mehr als ein halbes Jahrhundert diese Funktion bis heute bestens erfüllt. (Bild 42)

22 Jahre lang prägte Danzinger das musikalische Geschehen des Vereines, bis er 2011 die Vereinsführung an seine Gattin Elisabeth (Bild 43) und den Chorleiter an Gerhard Wanko übergab. (Bild 44)

Vielfältig und abwechslungsreich,  verbunden mit großartigen musikalischen Aufführungen, gestalteten sich die 22 Jahre, in denen Eduard Danzinger  als Obmann und Chorleiter dem Verein vorstand. Danzinger nahm die Tradition der Bunten Abende der 1950er-Jahre wieder auf und förderte mit Gschnas- und anderen Faschingsveranstaltungen das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Hilaria. (Bild 45, Bild 46, Bild 47)

Zum Standardprogramm zählten die Liederabende, die mehr und mehr auf Frühlingskonzerte und den  Muttertag hin  ausgerichtet wurden und häufig Gastvereine in das Geschehen einbanden. (Bild 48, Bild 49)

Weitergeführt wurde ebenfalls das stimmungsvolle  Weihnachtssingen. (Bild 50, Bild 51) Seit der Einführung des Marktfestes ist die Hilaria Kautzen integrativer Bestandteil dieses Festes. (Bild 52)

Mit der Aufführung von Messen bekannter Komponisten in Zusammenarbeit mit dem Salonorchester „Pro Musica“ unter der Leitung von Musikschuldirektor Rainer Haidl trägt die Hilaria viel zum feierlichen Festcharakter bei.

Jährlicher Fixpunkt der Hilaria ist die musikalische Umrahmung der Kirtagsmesse auf dem Sportplatz. Auch die Kontaktaufnahme mit tschechischen Gesangvereinen ist ein Verdienst Eduard Danzingers. So gab es einige musikalische Begegnungen mit unserem nördlichen Nachbarn  wie  Slavonice,  Třešt` und Staré Město (Bild 53, Bild 54, Bild 55).

Dass der Verein in Musikschuldirektor Vlastimíl Burkart aus Slavonice einen ausgezeichneten Korrepetitor besitzt, ist ebenfalls der Initiative Danzingers zu verdanken. (Bild 56)

Die Teilnahme an den Waldviertler Sängerfesten und an Wertungssingen  rundet das musikalische Geschehen ab. (Bild 57)

Als absoluter Höhepunkt kann das „Konzert im neuen Jahr“ angesehen werden. In Anlehnung an die  Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker kreierte Danzinger diese äußerst erfolgreiche Veranstaltung, die es seit 1995 in ununterbrochener Reihefolge gibt und die Musikfreunde aus nah und fern in die Aula des Schulzentrums strömen lässt.

Was sind die Elemente, die jedes Konzert im neuen Jahr so erfolgreich machen?

Hauptträger dieser so beliebten Veranstaltung ist das Salonorchester „Pro Musica“, geführt von Rainer Haidl, dem an die 30 Musiker aus der Region und dem benachbarten Tschechien angehören. Sie erbringen bei jedem dieser Konzerte  musikalische Höchstleistungen und beigeistern die Zuhörer zu wahren Beifallsstürmen. (Bild 58, Bild 59, Bild 60).

Hervorzuheben ist noch, dass es Danziger immer wieder gelang, ausgezeichnete Solisten nach Kautzen zu bringen. Stellvertretend seien hier der Auftritt des slowenischen Opernstars Ivan Urbas und das Mitglied des Opernensembles der Semperoper in Dresden Stefanie Atanasov erwähnt. (Bild 61, Bild 62, Bild 63).

Ein fixer Programmbestandteil der Neujahrskonzerte sind die Skatches und humoristischen Einlagen, die das musikalische Programm auflockern. (Bild 64, Bild 65, Bild 66, Bild 67).

Und „last but not least“ werden die Besucher nicht nur musikalisch, sondern auch kulinarisch verwöhnt. (Bild 68)

Weiters haben die Konzertbesucher in den Pausen Möglichkeiten zum „small talk“ und im Anschluss an das Konzert die Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein. (Bild 69, Bild 70, Bild 71)

Von 2011 bis 2014 in einer für den Verein sehr schwierigen Zeit übernahm Gerhard Wanko das Amt des Chorleiters.

Ab 2015 bis zum heutigen Tag liegt die Chorleitung wiederum in den Händen von Eduard Danzinger.

Eine der großen Herausforderungen wird sein, an die  Hilaria junge Sänger heranzuführen, was heutzutage für alle Gesangschöre landesweit ein riesiges Problem darstellt.

Wie haben sich die Zeiten geändert. In den 1920er- und 1930er-Jahren war das Angebot an sangesfreudigen Menschen derart groß, dass es sich die Hilaria leisten konnte,  den Neuankömmling bei der ersten Probe vorsingen zu lassen. Wer dreimal hintereinander bei den Proben fehlte, wurde aus dem Verein ausgeschlossen. Heute undenkbar!

Es ist zu hoffen, dass es in den folgenden Jahren  zu einer Trendumkehr kommt,  die Menschen  wieder mehr Freude am gemeinsamen Singen und Musizieren finden und  die Gesangvereine in der Gesellschaft wiederum jenen Stellenwert einnehmen, den sie benötigen, um ihrem großen sozialpolitischen Auftrag nachkommen zu können.

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